Die Kernkraftwerke und ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle

Wussten Sie schon, dass unsere Kernkraftwerke durchschnittlich über 80 % der Zeit Strom erzeugen? Eine derart stabile Energiequelle im Strommix führt zu einem wettbewerbsfähigen Marktpreis. Unsere Kernkraftwerke schaffen außerdem Arbeitsplätze. Erfahren Sie alles über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle unserer Kernkraftwerke.

Preis

Wenn Kernkraft Teil der Strommischung ist, wird dadurch der Marktpreis für Strom gesenkt. Es ist nämlich günstiger, Strom mit bereits installierten Kernkraftwerken zu produzieren, als durch Erdgas oder Steinkohle. Andererseits wird der geplante Atomausstieg zu einer Steigerung der durchschnittlichen Stromproduktionskosten führen. Auch der CO2 -Preis und die Kraftstoffkosten werden dann steigen. Durch den steigenden Import wird das Handelsgleichgewicht negativ beeinflusst. Falls die belgische Regierung beschließt, auch nach 2025 noch zwei Kernkraftwerke zu betreiben, kann der Vorteil des niedrigen Strompreises für Verbraucher laut Elia bis zu 120 Millionen pro Jahr betragen.

Außerdem sollte die Unterstützung für neu zu bauende Gaskraftwerke (um die Versorgungssicherheit zu garantieren) laut dem Beratungsbüro PriceWaterhouseCoopers ungefähr 345 € Millionen pro Jahr kosten. Man kann davon ausgehen, dass (mindestens) die Hälfte der Kosten dieses Mechanismus – genau wie in anderen Ländern – zu Lasten der privaten und industriellen Stromverbraucher geht.

Ein schrittweiser Atomausstieg ermöglicht es, die Kosten des relativ teuren Zwischenschrittes (mit neuen Gaskraftwerken) zu beschränken und die freigegebenen Mittel in CO2-freie Technologien zu investieren, die auch nach 2050 noch eine Rolle spielen können. Eine Betriebsverlängerung von zwei Kernkraftwerken führt somit zu einer Ersparnis von 60 bis 250 Millionen Euro pro Jahr, wenn dafür keine Gaskraftwerke unterstützt werden, und zwar für die gesamte Dauer der Verlängerung.

Arbeitsplätze

Derzeit schafft die Produktion von Kernkraft ungefähr 9.000 Arbeitsplätze in Belgien. Bei einem kompletten Atomausstieg würden davon 2.000 überbleiben, vor allem für den Rückbau der Kernkraftwerke. Mit anderen Worten: Falls alle Nukleareinheiten zum gesetzlichen Datum stillgelegt werden, gehen über 7.000 Arbeitsplätze verloren. Es ist nicht möglich, um Alternativen für all diese Arbeitsplätze zu finden, indem Produktionsparks für erneuerbare Energie gebaut werden oder diese Leute zum Beispiel in Gaskraftwerken eingesetzt werden, da für den Betrieb dieser Art von Energieproduktion viel weniger Menschen erforderlich sind.

Verfügbarkeit der Kernkraftwerke

Die durchschnittliche Verfügbarkeit der belgischen Kernkraftwerke seit 2000 beträgt 81,2 %. Das entspricht dem internationalen Durchschnitt von 78,9 % (im Zeitraum von 2000 bis 2018). Bis 2011 erzielten die belgischen Kernkraftwerke Verfügbarkeitszahlen, die gut über 85 % lagen. Ab 2012 sanken diese unter etwas unter 80 %. Die niedrigsten Zahlen wurden 2014, 2015 und 2018 erreicht.

Folgendes führte zu dieser niedrigen Verfügbarkeit:

  • Ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein und neue Sicherheitsnormen, unter anderem durch die Geschehnisse in Fukushima. Dank der verstärkten Inspektionsprogramme wurden einige Abweichungen in den belgischen Kernkraftwerken gefunden. Als verantwortlicher Betreiber legte Electrabel seine Kraftwerke vorbeugend still, um sorgfältige Analysen, Inspektionen und Arbeiten durchzuführen.
  • Sehr komplexe Projekte im Rahmen der Betriebsverlängerungen von Doel 1, 2 und Tihange 1, wodurch die Kernkraftwerke in den vergangenen Jahren mehrmals für lange Zeit stillgelegt waren.

Electrabel setzt sich ein, um die Verfügbarkeit seiner Kernkraftwerke weiter zu erhöhen. Insgesamt investierte Electrabel 1,3 Milliarden Euro für die Betriebsverlängerung von Doel 1, 2 und Tihange 1. Ab Mitte 2020 werden die Investitionsprojekte für die Betriebsverlängerungen von Doel 1, 2 und Tihange 1 abgerundet sein. In den kommenden Jahren werden die Kernkraftwerke daher nicht so lange für die Wartung stillgelegt und infolgedessen stärkere Verfügbarkeitszahlen vorlegen können.