Aus Erfahrung lernen

„Erfahrungsverwaltung“ ist ein bekannter Begriff aus dem Nuklearsektor. Das bedeutet im Prinzip, dass Erfahrungen und Ereignisse vorsorglich weltweit ausgetauscht werden.

Die World Association of Nuclear Operators (WANO), die nach den Geschehnissen in Tschernobyl gegründet wurde, liefert derartige Informationen über Ereignisse in Kernkraftwerken. Alle Kernkraftwerke auf der Welt sollen die Informationen sorgfältig studieren und Maßnahmen ergreifen.

Ein konkretes Beispiel sind die sogenannten Stresstests in den belgischen Kernkraftwerken nach Fukushima. 2011 wurde die Küste Japans durch ein schweres Erdbeben getroffen. Der Tsunami, der darauf folgte, beschädigte das Kernkraftwerk von Fukushima. Um zu verhindern, dass sich dies in der Zukunft wiederholt, wurden Stresstests eingeführt. Dabei wurde untersucht, wie gut die Anlagen externen Bedrohungen standhielten, wie zum Beispiel Erdbeben, Überschwemmungen, Tornados oder Flugzeugabsturz.

Die grundlegenden Richtlinien für die Stresstests stammten von der Europäischen Kommission. In unserem Land passte die Föderalagentur für Nuklearkontrolle die Richtlinien an den belgischen Kontext an. Außerdem wurden zusätzliche Analysen ausgeführt und in den den Schutz gegen sogenannte „menschengemachte Ereignisse“ investiert. Zudem konnte durch sorgfältige Prüfungen gezeigt werden, wie gut unsere Kernkraftwerke der Freisetzung von toxischen und explosiven Gasen sowie gegen einen Flugzeugabsturz standhalten.

Sowohl in Doel als auch Tihange wurden infolgedessen unter anderem zusätzliche Schutzvorkehrungen vor Überschwemmungen installiert und mobile Dieselgeneratoren sowie Feuerwehrwagen zum Löschen von Kerosinbränden angekauft. Alle Maßnahmen dienen einem Ziel: der Reaktorkern muss unter allen Umständen weiter gekühlt werden können, um einen radiologischen Unfall auszuschließen.