Im März 2022 beschloss die Regierung den Erhalt von Kernkraftwerken. Ist das nicht zu spät?

Die derzeitige belgische Regierung hat im Koalitionsvertrag ihre Absicht bekräftigt, den Atomausstieg bis 2025 umzusetzen. Nur wenn sich bis Ende 2021 abzeichnet, dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist, kann eine Laufzeitverlängerung eines oder mehrerer Kernkraftwerke in Betracht gezogen werden.

In der Koalitionsvereinbarung vom 30. September 2020 hat die Regierung bereits ihr Ziel bekräftigt, den Atomausstieg entsprechend dem von der seinerzeitigen Regierung verabschiedeten Gesetz von 2003 bis Ende 2025 umzusetzen. Lediglich im Falle einer Gefährdung der Versorgungssicherheit kann eine Betriebsverlängerung der beiden neuesten Kraftwerke, Doel 4 und Tihange 3, in Betracht gezogen werden.

ENGIE hat die Entscheidung der belgischen Regierung zur Kenntnis genommen, ihre Energiepolitik unter den derzeitigen geopolitischen Umständen weiterzuentwickeln und die Kernenergie bis 2035 zu verlängern. 
ENGIE wird diese Überlegungen unterstützen und gemeinsam mit der Regierung die Machbarkeit und die Bedingungen für die Umsetzung der zum jetzigen Zeitpunkt in Betracht gezogenen Lösungen prüfen.

Die Entscheidung, die Kraftwerke Doel 4 und Tihange 3 zu verlängern, wirft in der Tat erhebliche Sicherheits-, Regulierungs- und Umsetzungszwänge auf, zumal diese Verlängerung zu einem Zeitpunkt erfolgen würde, an dem die Stilllegungsaktivitäten an benachbarten Blöcken bereits begonnen haben.  Dadurch entsteht ein Risikoprofil, das aufgrund seiner Unvorhersehbarkeit und seines Umfangs über die regulären Aktivitäten eines privaten Betreibers hinausgeht. Daher muss der gewählte Ansatz einen strukturellen Ausgleich der Interessen der beteiligten Parteien und eine angemessene Aufteilung der Risiken und Chancen ermöglichen.

Dabei bleibt unsere größte Mission die sichere und zuverlässige Stromerzeugung und die fachgerechte Durchführung der Abschaltung und Stilllegung unserer Kernkraftwerke.